Besuch auf dem Datev-Kongress 2019 in Düsseldorf – Teil 2

Besuch auf dem Datev-Kongress 2019 in Düsseldorf - Teil 2

“Sinn ist mehr als die Summe von Lösungen”

Datev-Kongress: Und die Anwesenden werden nicht enttäuscht. Mit der Moderatorin Yve Fehring hat man ein Schwergewicht des Deutschen Fernsehens gewonnen. Und die Eröffnung nimmt Dr. Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der DATEV eG selbst in die Hand. Unter dem Motto “Digitalisierung leben” soll der Tag stehen. Dr. Mayr verweist auf die Auswüchse in unserer Gesellschaft, die Menschen, die im Stadtleben immer mit dem geneigten Kopf auf das Smartphone starrend an einem vorbeilaufen. Er erinnert daran, dass man – auch wenn alle heute sehr digital unterwegs seien- man den persönlichen Austausch suchen möge. Gerade in dieser Veranstaltung.

Besuch auf dem Datev-Kongress 2019 in Düsseldorf - Teil 2

Moderatorin Yve Fehring mit der Stiftungsvertreterin Anna Wohlfahrth

Datev-Kongress: Digitalisierung verändert unser Leben

Dann moderiert Yve Fehring den Auftritt von David Richard Precht an: “Digitalisierung verändert unser Leben massiv. Es ist an der Zeit, sich daran zu erinnern, dass es an uns allen ist, die Weichen dafür zu stellen. Digitalisierung passiert einem nicht, sondern wird gestaltet und wir müssen herausfinden, was wir daraus machen wollen, um sie in die richtigen Bahnen zu lenken.”

Und dann folgt ein starker und flüssig vorgetragener 45-Minuten Beitrag von Precht. Der seine Rolle als Philosoph bei so einer Veranstaltung beschreibt (“Inkompetenz-Kompensations-Kompetenz ist das, was der Philosoph mitbringt.”), auf die 1817 entstandene Kompensationstheorie und den Charakter verschiedener Revolutionen eingeht. (“Die wirklich irreversiblen Revolutionen sind die technisch-ökonomischen. Die sozialen und politischen sind dann eher die Begleitmusik.”) Er gibt eine Standortbestimmung: “Wir haben gerade erst unsere Hausaufgaben gemacht, indem wir aus analogen Zahlen, digitale Zahlen gemacht haben. Aber der Weg führt ja noch deutlich weiter … .” Er zeigt die schwierige, veränderte Grundhaltung der Menschen auf: “Früher glaubten sie, ohne zu wissen. Heute glauben wir nicht, was wir wissen.” Als Beispiel für diese nachvollziehbare These führt er die Diskussionen um den Klimawandel an. Jeder weiß um den Klimawandel, aber glauben will das keiner. 

Er verknüpft gekonnt die Zusammenhänge unseres Wirtschaftslebens zu einer Aussicht auf unser aktuelles Berufsleben. “Es gibt 2,7 Millionen Bürokaufleute in Deutschland für die es nun nicht sehr gut aussieht. Man rät denen, doch in die IT-Branche zu wechseln und vergisst dabei, dass es sich um sogenannte High-End-Jobs handelt, für die nicht jeder Bürokaufmann geschaffen ist.” (Während seiner Ausführungen merke ich, dass ich bei der Run my Accounts gut aufgehoben bin: Hier hat jemand ein wirklich starkes Produkt geschaffen, indem er Digitalisierung mit den Grundkompetenzen der Buchhaltung verbunden hat).

Zukunftsperspektive?

Zum Ende des Vortrags geht Precht auf unser reformbedürftiges Bildungssystem und dessen Anforderungen ein. Künftig werden intrinsische Motivation und Kreativität den Ausschlag geben. (Auch hier bin ich beruhigt. Es sind die Potentiale, die ich der Run my Accounts unterstelle). Aber der große Gedankenanstoß kommt am Ende des Vortrags: “In unserer Welt sind Pläne so wichtig geworden. Alle machen Pläne, nach denen etwas passieren muss. Abweichungen sind unerwünscht. Die passieren uns aber in Form von Geschichten. Geschichten sind die Gegenteile von Plänen. Aber sie sind sinnstiftend. Ich hoffe, sie haben ihre Frau nicht in Form einer Problemlösung kennengelernt. Ich bin nicht gut im Alleinsein, Du bist nicht gut im Alleinsein. Lösen wir das Problem, indem wir einfach zusammen sind! Oder Kinder: Kinder sind keine Problemlösungen, sondern schaffen meistens erst einmal Probleme! Aber sie geben dem Leben einen Sinn. Und Sinn ist mehr als die Summe von Lösungen.”

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Thomas Brändle im Austausch mit Julian Arnowski

 


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